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Besuch der Henrichshütte in Hattingen

von Nobbi Dietrich, 4. Sep. 2016

IM LAND DER TAUSEND FEUER

 

Hier qualmten einst die Schlote der Eisen- und Stahlproduktion, in riesigen Kokereien wurden aus der Kohle der Koks zur Herstellung von Stahl und Eisen in den Hochöfen gewonnen.
Heute ist das Revier ein Land unterm blauen Himmel an Rhein und Ruhr. Vom Gasometer in Oberhausen über Haldenwanderungen und Erkundungen von ehemaligen Industrieanlagen geht heute das Angebot an den Besucher der Region zwischen Emscher, Ruhr und Rhein.
Die Henrichshütte in Hattingen ist ein Beispiel für die Veränderung im Ruhrevier.

Bis 1987 arbeiteten hier gut 10 000 Menschen, heute ist die Hütte dank des Einsatzes vieler Leute ein Industriemuseum des Landschaftsverbandes von Westfalen-Lippe.
Unser Besuch der Hütte fand in Begleitung von Frau Nimmich statt, die hier im Museum Gästen einesachkundige Gästeführerin tätig ist. Der Rundgang dauerte etwas mehr als 3 Stunden, dabei erfuhren wir Interessantes und Spannendes über die Henrichshütte, die Geschichte der Hüttenentstehung  und dieMenschen die hier hart malochen mussten.
Im März des Jahres 1854 wurde das erste Fundament für den angestrebten Hochofenbetrieb errichtet und die Hütte bekam den Namen "Henrichshütte". Im Jahr 1885 ging dann der erste Hochofen in Betrieb, die Tagesleistung lag bei 25 Tonnen Roheisen. Mit dem Fortschreiten der technologischen Entwicklung war eine stetige Steigerung der Produktion verbunden. 1914 wurden bereits 250 bis 350 Tonnen täglich hergestellt. So steigerte die Hütte ihre Eisen- und Stahlproduktion kontinuierlich. Am Ende waren es unglaubliche 2400 Tonnen täglich, aber der Fortschritt und die Konkurrenz zwangen das Unternehmen hinzu Spezial-Produkten wie dem Dampfkesselbau, Bausätze für die Rakete Arianne, Castor-Behälter für Nukleartransporte, Radreifen für den ICE. Auch der Reaktordruckbehälter des ersten deutschen Kernreaktors kam von der Henrichshütte.
Die Globalisierung und die große internationale Konkurrenz, die in Deutschland und anderswo zu Fusionen und Übernahmen führten, waren der Auslöser für das Ende der Henrichshütte im Jahr 1987.

Unsere Museumsführerin erzählt über die Vergangenheit hier auf der Hütte, der harten körperlichen Arbeit mit Lärm, Hitze, Staub und oftmals nicht besonders guten Arbeitsbedingungen. So musste der Wasserhansel, der am Hochofen für die reibungslose Funktion der Wasserkästen verantwortlich war,  viele Male am Tage Trepp auf, Trepp ab seine Kontrollgänge leisten. Der Abstich am Hochofen, bei dem dann das Roheisen durch eine Rinne lief, war mehr als nur warm, es war Hitze pur.
Von den Chinesen wurde das komplette Walzwerk gekauft und nach China exportiert. Um nicht Gewerke zu verwechseln hat man alles was nach China gehen sollte mit einem großen roten Punkt gekennzeichnet, gelbe Punkte standen für das Verbleiben auf der Hütte. Irgendwann fiel auf, die gelben waren stark reduziert und dies wegen der Tatsache, dass in der Nacht die Söhne des Himmels die gelben Punkte rot übermalten. Daraufhin wurden Aufkleber hergestellt, die eindeutig waren und die Schummelei hatte ein Ende. Kuriosität am Rande, das Walzwerk in China produziert seit einiger Zeit ebenfalls nicht mehr.
Während des Rundganges konnten wir rätseln was Schlacke, Eisen, Koks und anderes ist. Wo haben wir daheim eigentlich alle ein Produkt des Hüttenwesens wurden wir gefragt, natürlich konnten Spezel bei uns im Verein dies beantworten , die Nirosta-Spüle in der Küche. Mit dem Fahrstuhl ging es hoch hinauf auf den Hochofen, hier hatte man einen Blick über die Ruhr bis hin zum Kap Kaminski, die Sternwarte in Bochum, von der Berichte über die Erkundung des Weltraumes im Radio und TV kamen.
Wir sahen auch den Teil der Henrichshütte, der einst der Fluss Ruhr war. Weil die Hütte bereit zu eine Zeit gebaut wurde, wo es noch keine Bagger gab und mehr Platz benötigte, wurde in Handarbeit ein dreiviertel Jahr lang die Ruhr angestaut und der Fluss auf einer Länge von gut sechshundert Metern begradigt. Zu erwähnen bleibt noch die "Wohnung" des Wanderfalken am hohen Schornstein auf der Hütte.
Unser Besuch ging zu Ende mit dem Abstieg vom Hochofen, dem Dankeschön an Frau Nimmich für die interessanten Einblicke der jüngeren Geschichte von Eisen und Stahl im Revier, Glück Auf!

Der Start unserer Wanderung wurde von Navigationsgeräten leicht verändert, nur ein Navi fand den WP Rotenhaus, wir anderen folgten dem verirrten Wanderführer mit vollem Vertrauen getreu dem Motto: Wo der Wanderführer ist, ist vorne! Da ein oberbergischer Lotse auftauchte bewegte sich nun endlich der Autocorso in die richtige Richtung, ergo auf einen Wanderparkplatz, damit es endlich losgehen konnte!
Die verlorenen Wanderer, die das Rotenhaus fanden, stießen ebenfalls zu uns. Wir wanderten los, über eine eiserne Brücke, um gleich stetig bergan durch die Wüstung Taex auf die Höhe der Elfrinhauser Schweiz zu kommen, oben ging es zielstrebig dem Ort Niederbredscheid entgegen, unseren Blick war freudig überrascht von diesem Stück deutscher Schweiz am Rande des Ruhrgebietes. Ein kleines Gasthaus in Raffelberg ignorierten wir. Wir hatten auf der Karte ein Ziel ganz in der Nähe unserer abgestellten Autos ausgemacht, für die Schlusseinkehr.
Am Abzweig Zipperberg, wo wir wieder talwärts wandern wollten, trafen wir zwei Wanderer. Unsere Frage, ob das Gasthaus welches wir ansteuern wollten gut sei, wurde mit Ja beantwortet, aber heute sei dort geschlossen. Ein Tipp von ihnen war Gasthaus Huxel unten an der Hauptstrasse etwa 300 Meter links, knappe 2 Kilometer von unserem Parkplatz entfernt. Ein Dankeschön für die Rettung zur Schlusseinkehr und bald waren wir am Ziel. Eine Art kleines Museum in den Räumen des Gasthauses überraschte uns beim Betreten, die Terrasse unter Weinlaub war richtig kuschelig, die Bedienung freundlich und flott, ein fast echter boarischer Datschi mit Sahne und alle anderen Angebote hätte uns fast verführt noch länger zu bleiben.
Wie es jedoch war, wenn‘s am schönsten ist soll man weiter ziehen. Gesagt getan, alle waren freudig gestimmt vom doch noch guten Gelingen der Wanderung. Pilgern, miteinander redend und erzählend so vor uns hin! Halt da vorne links Gebäude das konnte nicht richtig sein. Zwei nette Frau Lück gefragt was das für ein Ort sei? Das ist Niederbonsfeld, kehrt marsch. Kein bergischer Wanderer hatte den Abzweig nach links oder gar die eiserne Brücke gesehen, selbst der Wanderführer nicht.
Zur Sicherheit sprachen wir eine ältere Frau mit Nordic Walking Stöcken in Begleitung eines Mannes an, ob jetzt hier rechts eine Brücke käme aus Eisen, ja aber die sei vom Wege kaum zu sehen, auf der anderen Seite sei ein Parkplatz. Glücksgefühle breiteten sich bei uns allen aus, Schlussworte auf der Brücke für alle die das so gut mitgemacht haben. Dank an den Wanderführer mit dem man getrost über Brücken gehen kann.

Also bis zur nächsten Entdeckungs-Wanderung.
Euer Nobbi

  

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Die Bilder wurden uns von unserem Wanderfreund

Klaus Haine

zur Verfügung gestellt

 

 

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