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Glück Auf, für die Seilfahrt!


von Nobbi Dietrich, 10. Mai 2017


Mit dem alten historischen Gruß für die Einfahrt und Ausfahrt der Bergleute zur täglichen Schicht, werden wir von Herrn Uwe Reichelt vor Ort begrüßt. Dieser Spruch der Bergleute kommt aus dem Thüringischen Erzabbau und ist über dreihundert Jahre alt, war der alltägliche Gruß der Bergleute beim Ein- und Ausfahren

Er bietet uns allen das hier gebräuchliche Du der Menschen untereinander an, egal welche Funktion der Betroffene hat. So lassen wir uns ein auf eine Erkundung der Welt unter Tage, wo Worte wie vonne Maloche, vonne Butterkiste, Hipp und Bock, dem Kerl mitte Latte, dem Kübelmajor inne Waschkaue und dem Mutterklötzchen auch seltener werden.

Wir lernen, dass der Tote Mann gar kein toter Mann ist, dass es trotz der hohen und rasanten technologischen Entwicklungen noch immer Schüppe und Sargdeckel gibt und der Hund auch kein Hund ist, sondern ein Förderwagen für Berggestein und Kohle.

Woher stammt eigentlich der Begriff Pütt????
Pfütze, Brunnen, Schacht vermischt mit dem französischen Puitz und niederländisch Pütt ergaben diese Wortschöpfung. Hinzu kommt das die Kohle ja bei ihrer Entdeckung hier in unserer Region erst oberirdisch abgebaut wurde, in Erdkuhlen, die der Form eines Pütts sehr nahe kam.

Übrigens war es ein Schweinehirt, der in der Nähe von Witten auf dem Boden in freier Natur ein Feuer angezündet hatte und erstaunt bemerkte, dass diese Feuer am darauffolgenden Tage noch Glut hatte. Dies soll die Geburtsstunde für den Siegeszug des Steinkohle-Bergbaues in Nordrhein-Westfalen gewesen sein.

Nun ist das Ende dieser industriellen Zeit eingeläutet worden, mit dem Schließen des Bergwerks Ibbenbüren im Jahr 2018 ist dann endgültig Schluss. Einst waren weit mehr als 600 000 Menschen in diesem Industriezweig in Lohn und Brot. In mehr als fünf Jahrzehnten wurden rund 160 Milliarden D-Mark/Euro an Subventionen gezahlt, die in 2018 auslaufen. Zum Vergleich für den Umbau unserer Energieversorgung sind in ca. zehn Jahren auch etwa 160 Milliarden Euro an Subventionen geflossen.

In Deutschland werden noch etwa 6 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Etwaige Kohlelücken für Kraftwerke, die zur Deckung der Stromerzeugung notwendig sind, müssen dann durch Importkohle sichergestellt werden.

Weltweit werden derzeit mehr als 7000 Millionen Tonnen an Kohle gefördert, Spitzenreiter ist China gefolgt von den USA, Indien und Australien. Wir alle dürfen gespannt sein, welchen Beitrag unser alle Anstrengungen in Sachen Klimaschutz, das wert sein wird.

Dies alles und noch viel mehr erzählte uns Herr Reichelt sehr interessant und verständlich, ergänzt mit einem kurzen Video zum Thema, eine kleine Kaffee und Saftpause machte uns jetzt fit für die "Seilfahrt" vor Ort.

Natürlich ging es nicht mit 12 Metern pro Sekunde mehr als 1000 Meter unter die Erde, sondern wir verlassen in Gedanken den Förderkorb und sind am Füllort auf Sohle 2.!

Mehr als 1200 Meter Strecken mit ganz unterschiedlichen Gewinnungseinrichtungen, Strecken-vortrieben und einem Schacht wird hier wirklichkeitsnah uns Besuchern nahe gebracht. Hier werden/wurden Facharbeiter und Techniker für über und unter Tage aus- und weitergebildet. Die Ausbildung ist so ausgezeichnet, dass diese Menschen auch in anderen Industrie-Sparten gute Angebote finden.

Es wird deutlich, welch hoher Entwicklungsstandard dem deutschen Steinkohleabbau zugerechnet werden kann. Maschinenschrämlader, Tunnelfräsen, die digital gesteuert werden und mehr als zentimetergenau arbeiten, die Gestein von Kohle unterscheiden können, die sich bis zu 3 Meter während einer Schicht im Berg vorwärtsbewegen.

Die Kohleschrämmlader fräsen Schichten bis zur Dicke von 80 Zentimetern aus dem Kohleflöz, die dann automatisch auf einem Förderband mit Kette landen und in Richtung Weiterverarbeitung transportiert werden.

Die Bergleute hier unten bewegen sich entweder auf Förderbändern zum Arbeitsplatz oder in den Loren, die auch Hund genannt werden. Werkzeuge kommen mit Deckenförderern ähnlich der Wuppertaler Schwebebahn zu Ihnen, mit einer Draisine auf der ein Kumpel Platz hat kann man sich ebenfalls unter Tage bewegen.

Ganz wichtig ist die gute Luft unter Tage, das Wetter! Dafür gibt es einen Wetterschacht, der Frischluft von über Tage nach unten führt. Mit einer gleichbleibenden Wetterführung, die zudem streng kontrolliert wird, werden sogenannte Schlagwetter-Explosionen bereits vor der möglichen Entstehung rechtzeitig erkannt. Einer derartigen Explosion zu entkommen ist menschenunmöglich. Auf einer Streckenlänge von ca. 1000 Metern bleiben maximal 2 Sekunden um am Leben zu bleiben. Der Druck der Explosion lässt die montierten schwarzen Kästen bersten. So entsteht eine Wand aus feinem Wassernebel, der die weitere Ausbreitung der Explosion zum Erliegen bringt.

Der Energieverbrauch unter Tage ist sehr hoch, Versorgungsleitungen von 5000 Volt sind keine Seltenheit.

Zum Abschluss unseres Besuches ergibt sich eine historische Gemeinsamkeit zwischen dem Kohlenpott und dem Bergischen Land.

Die Silikose- oder Steinstauberkrankung der Bergleute betraf auch die Steinhauer in Lindlar, diese Krankheit führte zur Berufsunfähigkeit, der Betroffene nahm am Leben in seiner Straße in der Regel mit dem täglichen Ausguck am Wohnungsfenster teil. Auf die Frage „Warum schaut der Paul heute nicht aus dem Fenster“ lautete die Antwort „Der ist weg vom Fenster“, sein Leben war zu Ende.

Wir verabschiedet uns mit einem Glück Auf und den guten Wünschen für die Zukunft, unser abschließender Weg ging über die Halde Hodewarth mit tollen Blicken übers grüne Ruhrrevier. Eine der längsten Wandertreppen mit mehr als 500 Treppenstufen abwärts führte uns zum abschließenden Pilsken, Weizenbier und Kaffee in das Gasthaus „Zum Handweiser“.

Gegen 21 Uhr waren wir wieder wohlbehalten in unserer Heimatstadt Bergisch Gladbach.

Euer Nobbi Dietrich


 

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Die Bilder wurden uns von unserem Wanderfreund

Nobbi Dietrich

zur Verfügung gestellt

 

 

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