10.12.2017

Die weiße Weste des Rheinsteigs

 

von Nobbi Dietrich


Warum musst du Wanderführer uns Wanderer so quälen? Am Sonntagmorgen, wo ich doch gerne ausgeschlafen hätte und überhaupt konntest Du die Wanderung nicht einfach absagen? Es war keine unfreundliche Begrüßung am Sonntagmorgen sondern die Freude, dass die Wanderung doch stattfindet.

Gerd der Genusswanderer, Jos der Unermüdliche, Bea das Redewunder, Ingrid die aus jeder Wanderung lernt, Herbert der nicht auf der faulen Haut liegen kann, Sabine und Helga die Frischen bereiten sich für die nächste Wanderwoche vor sowie Vroni die aufpasst, dass Nobbi auf dem rechten Wege wandert.

So ein Fünferticket ist doch das Geld wert, mit Wandergroschen für 8,50 Euro nach Bonn und von Heisterbacherrott mit dem Bus nach Oberdollendorf, dem Telekom-Express zum Bahnhof Bonn, dem Regionalexpress nach Kölle und der S-Bahn nach Gladbach. Eine gute Tat fürs Klima und mal ohne Auto, mindestens dort wo es geht!!!

Nach ich möcht zo Foos na Kölle jonn, singen wir jetzt Schneeflöckchen Weissröckchen und sind der festen Überzeugung uns auf einer Erforschung Tour in Kanadas eisigem Norden zu befinden. Vorher geht es durch Bonner historische Geschichte hinunter an unseren ersten Begleiter, Deutschlands großen Fluss bisher schneelose Winterlandschaft, eisiger polare Pustewind ohne Ende, drunten auf dem Weg durch die Rheinauen wird es erträglicher, wir begegnen Joggern, Hundeführern mehr weiblich als männlich, Radelfahrern und Spaziergängern - es ist noch Betrieb am Rhein. Der Fluss hat einen hohen Wasserstand und eine Menge Containerschiffe sind unterwegs. Wir erkennen einen Kroaten, der Schrott in Richtung Niederlande transportiert.

Fast gegenüber vom ehemaligen Abgeordneten Haus dem "Langen Eugen" sowie dem hohen Posttower schwenken wir scharf links in den Ortsteil Kündinghofen, hier wird zwei Wanderfreundinnen in einer Pfarrbibliothek eine warme "WaldCapelle" angeboten. Wer möchte auch schon ein eisiges Föttchen haben. Ein leichter Anstieg bis zu einer ersten Treppe nach der wir dann recht schnell die Autobahn in Richtung Bonn auf eine Fußgängerbrücke überqueren. Danach sofort der nächste Treppensteig damit wir ja unsere 340 Höhenmeter bergan auch zusammen stoppeln. Hier oben treffen wir auf das restaurierte "Foveaux Häuschen" - es soll uns an Heinrich Josef Foveaux erinnern, der die Schönheit der Rheinhöhen bereits um das Jahr 1800 entdeckte und schätzte. Jetzt ein kleines Päuschen um einen warmen Tee oder Kaffee zu trinken. Weiter geht es aber leider zunächst in die falsche Richtung, ein Blick auf die Wanderkarte und dann gut 300 Meter zurück, danke an meine aufmerksamen Mitwanderer.

Jetzt sind wir oben im Naturschutzgebiet Ennert angekommen, das R des alten Rheinhöhenweges begleitet uns nun eine lange Zeit. Eichen und Buchen bilden eine wunderbare teils mystische Waldlandschaft. Der Schneefall sorgt für Winterstimmung bei uns. Die Rabenley und der Kuckstein bieten die Chance auf einen Rheinblick. Unsere Augen müssen lange suchen bis wir im Schneegestöber den Strom erkennen. Kurz vorher erblicken wir den Dornheckensee, im Sommer tummeln sich hier in großer Zahl die Badegäste.

Am Nückener Felsweg wird es etwas eng, vorher gibt es die Mittagsrast trocken neben einem alten Auto unter Dach gegen den Schnee, aus dem Rucksack von Vroni quält sich ein Flasche mit mallorquinischem  Kräuterlikör namens Hierbas. Die Kräuter der Insel haben einen solch guten Geschmack, dass von dem 22-prozentigen süßen Likör nichts mehr übrig bleibt. Wir wandern durch das Mühlental, überqueren die Heisterbacher und gehen noch einmal eine längere Steigung im Wald aufwärts, jetzt ein bisserl bergab und rechter Hand ist Kloster Heisterbach.

Hier am Rande des Buchenwaldes, also Buche gleich Heister und der Bach waren namensgebend für Kloster Heisterbach, so eine alte Überlieferung, In 1189 kam der Abt Hermann vom Kloster der Zisterzienser aus Himmeroth in der Eifel mit seinen Mitstreitern hier her, die Abteikirche wurde 1237 geweiht, mit fast 90 Metern Länge war diese Abtei nur wesentlich kürzer als der Dom zu Köln. Gut 600 Jahre waren die Mönche hier in der Region das prägende Element und ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor. Das Kloster war geistiges Zentrum und hatte Besitztümer bis ins Holländische. In der Napoleonischen Zeit endete die Zeit des Orders in Heisterbach und die Abteikirche wurde zum Abbruch verkauft, Steinquader findet man heute im Bauwerk von Ehrenbreitstein, heute gibt es nur noch ein Stiftung, Wir haben den direkten Weg nach Heisterbacherrott zum Haus Schlesien genommen, winterlicher Traumblick auf den Ölberg, der Weg in den Ort ist an einem solchen Tage eine beliebte Rodelstrecke.

Mit Streusel- und Mohnkuchen ist hier nichts zu machen, aber die Wild-schweinsuppen und der Gulasch von der freilebenden Sau ist einfach Spitze. Ein echter Schlesier ist unter uns, geboren in der Nähe von Bunzlau im Kreis Liegnitz, hier in der Rübezahl Stube fühlt er sich fast wie zuhause. Schlesische Größen wie Gerhard Hauptmann, Friedrich Bonhoeffer oder den Naturfilmer von "Serengeti" und Oscar-Preisträger Bernhard Grzimek werden hier lebendig. Es wird vom Wanderführer zum letzten Mal der Aufbruch für Bus und Bahn aufgerufen und alle Anschlüsse werden pünktlich erreicht. Kurz nach 19 Uhr landen wir von unserer Winterexpedition um ein nachhaltiges Erlebnis unseres Wanderlebens reicher wieder in Bergisch Gladbach.

Ein herzliches Dankeschön von allen Wanderern begleitet den Wanderführer heimwärts. Er selbst hält seine Mitwanderer für reif, ohne Zögern eine Expedition in nordisch unterkühlte Breiten mitzumachen.

Euer Nobbi Dietrich

Wanderfreunde Bergisches Land e.V.
Hans Weber
Vinzenz-Feckter-Straße 5a
51469 Bergisch Gladbach
02202 - 50219
Kontakt
Wanderfreunde Bergisches Land e.V. - Abteilung im Sauerländischen Gebirgsverein
Vinzenz-Feckter-Straße 5a
51469 Bergisch Gladbach
Tel.: 02202 - 50219
Wanderberichte
Ehrenamtstag 2018

Ehrenamtstag 2018

Unser diesjähriger Ehrenamtstag führt uns ins Kasbachtal bei Linz am Rhein ... weiterlesen
Wanderfreizeit Fränkische Schweiz

Wanderfreizeit Fränkische Schweiz

Biergärten im Land der Biere überzeugen mit Gerstensaft vom Feinsten. Die Brotzeit gehört bei der Landschaft auf´m Teller ebenso dazu wie das Schäufala mit Kloß und Soß ... weiterlesen
Wanderfreizeit in Cochem (Mosel)

Wanderfreizeit in Cochem (Mosel)

Wanderfreizeit 2018 in Cochem an der Mosel ... weiterlesen
Impressionen der Vulkanlandschaft

Impressionen der Vulkanlandschaft

Auf Traumpfaden mit Eifelblicken und Höhlensteigen... ... weiterlesen
Die weiße Weste des Rheinsteigs

Die weiße Weste des Rheinsteigs

Warum musst du Wanderführer uns Wanderer so quälen? Am Sonntagmorgen, wo ich doch gerne ausgeschlafen hätte und überhaupt konntest Du die Wanderung nicht einfach ... weiterlesen
Bitte warten. Ihre Anfrage wird bearbeitet