26.10.2019

Zum Eifelturm im Ruhrgebiet

von Nobbi Dietrich

Zum Eifelturm im Ruhrgebiet - im Volksmund wird die Zeche Zollverein als UNESCO Welterbe gerne so bezeichnet. Hier trafen wir Bergischen Wanderfreunde uns mit den Wanderfreunden des SGV Bottrop um den Wandel des Ruhrgebietes wieder einmal aus nächster Nähe hautnah zu spüren.

Dieser Wandel läuft ja bereits seit gut 40 Jahren Zechenstillegungen, Großdemonstrationen in Duisburg und Oberhausen mit Blockaden der Rheinbrücke sind unvergessen Ereignisse, Demontage eines kompletten neuen Stahlwerkes in Hattingen und dessen Verkauf an China. Heute wird im Ruhrrevier nach neuen Technologien und Arbeit für die Menschen nicht nur gesucht. sondern auch viel Geld in neue Technologien investiert. Dies alles unter dem Gesichtspunkt großer Konkurrenz weltweit.

Die Zeche Zollverein gab 1983 den Betrieb als Förderstandort auf, 1986 war hier die Kohleproduktion endgültig zu Ende, die Kokerei einst die modernste Europas mit 304 Öfen und einer Kapazität um aus 10 000 Tonnen bester Kohle 8600 Tonnen Koks zur Roheisen- und Stahlveredelung aufzubereiten, musste 1993 wegen der Situation der Eisen- und Stahlindustrie bei uns in der Bundesrepublik sowie der Weltmarktsituation ebenfalls den Betrieb einstellen. In der Hochzeit der Kohleförderung arbeiteten hier mehr als 5000 Menschen.

Was übrig blieb ist eine Reihe technischer Einrichtungen, wie Kohleförderanlagen, Gleis-betriebe, Kühltürme, Gasometer, Koksablöscheinrichtungen, Schwermaschinen sowie verlassene riesengroße Industrieanlagen. Neue Strategien zur Vermarktung oder Verkauf und die Beseitigung möglicher Umweltlasten, das müssen nun entweder die Kommunen oder das Land NRW stemmen.

Dazu kommt die Problematik der Wasserstandshaltung bei Grubenabwässer von Betrieben im Essener Nordens, im Nordwestens von Wattenscheid, Gelsenkirchen, Gladbeck, Bottrop, Herne, Herten, Recklinghausen, Oer Erkenschwick bis Datteln. Eine Jahrhundertaufgabe die von der RAG  Stiftung zu tragen ist. Aktuell wird daran gearbeitet, die Grubenwässer unter Tage bis auf die Höhe von 600 Metern aufsteigen zulassen und mit neuen technischen Anlagen die Wasserhaltung zu modernisieren.

Ohne diese Wasserhaltung und die Entsorgung der Grubenwässer über die Emscher wäre heute bereits in verschiedenen Teilen des Reviers Land unter, da sich bedingt durch den Bergbau die Erdoberfläche im Revier um bis zu 25 Meter absenken kann. Fazit: Die Altlasten der Kohleproduktion hätten zur Folge, dass ganze Stadtteile im Revier nicht mehr zu bewohnen wären.

Unsere Wanderung begann auf einer renaturierten Halde.Hier begrüßte uns Rainer Franzen mit einem Bergmannstrunk und Glück Auf, ein Blick in die Landschaft mit Fördertürmen, Halden und dem großen Industriekomplex von Zollverein machte uns mehr als neugierig auf den Tageablauf.
Imposante und beeindruckende Industriekomplexe tauchten dann vor unseren Augen auf.

Die mehr als 600 Meter lange Ofenreihe der Kokerei, mit Beschickungseinrichtungen für die Kohle und den Koks, der unter eine riesige Ablöscheinrichtung mittels Wasser verbracht wurde. Eine Arbeit voller Lärm und Hitze, dazu Staub und Schmutz. Die Kohle wurde bei Temperaturen von 900 bis 1400 Grad Celsius in einem Destillationsvorgang zu Koks und Rohgas umgewandelt. In diesem Prozess entstanden eine Reihe neuer Produkte wie Teer, Schwefelsäure, Ammoniak, Benzol, Naphthalin und Kokereigas.

Im Winter steht auf Zollverein eine riesengroße Eislaufbahn, im Sommer ein Schwimmbad. All dies ist umgeben von Stahlträgern, riesenhaften Rohrleitungen, Kühlturmskeletten und Gleisanlagen.

Die Kohlenwäsche, Kohlenbunker, Mechanische Werkstatt, Elektrowerkstatt und die Waschkaue in der die Kumpel ins Arbeitszeug umstiegen und ihre sauberen Sachen bis unter die Decke nach oben zogen. Zurück von vor Ort, wo die Kohle abgebaut wurde, ging es im Förderkorb ans Tageslicht und dann in die Waschkaue. Hier ist heute das Ruhrmuseum und das Portal Zollverein, ein Café und eine Buchhandlung untergebracht. Von oben besteht ein grandioser Blick auf das UNESCO Welterbe Zollverein. Ein Besuch ist mehr als lohnenswert.

Die Zeche Zollverein wird heute getragen durch die Stiftung Zollverein, in der seit 2008 die Aufgaben der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, Stiftung Zollverein und Entwicklungsgesellschaft Zollverein gebündelt wurden. Der imposante Doppelbock- Förderturm war bereits vor der Stilllegung unter Denkmalschutz gestellt worden. Im Jahr1986 kaufte das Land NRW von der RAG das umliegende Gelände. Durch die Sanierungen in den folgenden Jahren wurde der Zollverein auf ein sicheres Fundament gegründet, was die Voraussetzung für die Anerkennung als Welterbe Zollverein war.

Heute ist Zollverein eine Heimat für Kunst und Kultur und ein Publikumsmagnet weit über das ehemalige Ruhr-Revier hinaus. Willkommen zur Nacht der tausend Feuer und Glück Auf!

Das Ruhrgebiet freut sich auf Euren Besuch im Jahr 2020.

 

Die Fotogalerie zu diesem Wanderbericht wurde uns von unserem Gast 
Doris Greßler
zur Verfügung gestellt, vielen Dank hierfür.

Wanderfreunde Bergisches Land e.V.
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Neuensaaler Str. 23c
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02207 - 706897
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