29.08.2020

Die Urdenbacher Kämpe

von Nobbi Dietrich

In Covid 19-Zeiten läuft manches etwas anders als der Wanderführer vermutet, so besteht unserer Gruppe aus Bergisch Gladbach aus zehn Teilnehmern und die Wanderfreunde aus dem ehemaligen Revier trudeln ebenfalls in Minibesetzung am Bahnhof in Düsseldorf Benrath zu dritt ein, aber nach dem Motto das weniger auch mehr sein kann, treffen wir uns am Piels Loch in Düsseldorf-Urdenbach wo uns bereits Otto Bremm erwartet. Otto ist Mitglied im SGV Düsseldorf und ist nicht nur zertifizierter Wanderführer nach den Regeln des Verbandes Deutscher Gebirgs und Wandervereine sondern für unsere Wanderung die beste Empfehlung, da er ZNL Auenerlebnisbegleiter für die Biologische Station Haus Bürgel ist. Die Urdenbacher Kämpe ist ein Naturschutzgebiet das den Europäischen Regeln der Flora-Fauna-Habitat Richtlinie unterliegt ergo Naturschutz auf höchstem Niveau.

Otto Bremm begrüßt uns alle herzlich und erklärt uns was wir hier an Informationen erfahren können, auf los geht es los, recht bald befinden wir uns in einem Streuobst Wiesengebiet welches dazu als Weideland genutzt wird, die Herde mit den braunen Rinden und vielen Kälbchen ist sehr ansehnlich. An einem Informationspunkt lässt Otto den Steinkauz aus der digitalen Erzählerkiste für uns aus seinem Dasein erzählen. Ein Eulenvogel mit einem Ruf der kuwitt oder auch als Quitt verstanden werden kann, er ist 20 bis 25 Zentimeter groß wer das Glück hat ihn erblicken zu können wird wohl einen etwas mürrischen Ausdruck seiner großen Augen in der Kopfregion registrieren. Sein Lebensraum hier mit den alten Obstbäumen und deren Höhlenangebot ist nicht mehr so üppig wie vor langer Zeit, seine Farbe ist die beste Tarnung denn selbst wenn er auf einem Weidefahl sitz kann er kaum entdeckt werden, seine Nahrung sind Mäuse und Insekten, zu finden ist der kleine Geselle auch in Weinbergen oder ländlichen Dorfsiedlungen. Diese Erklärungen kann jeder Wanderer über die an den Info Punkten angegebene Telefonnummer abrufen. Otto macht uns auf die große Mispelgewächse, an den Pappel aufmerksam die Mispel ist ein Schmarotzer ein Parasit, der Baum ist ihr Wirt für die Wasserversorgung und Nährstoffe, als Dank dafür zerstört die Mispel die Zellwände des Baumes. Die Ausbreitung des Schmarotzers übernimmt meistens die Mispeldrossel die sich von den Früchten ernährt, über den Vogelkoot der klebrig schleimig ist erfolgt dann die Verbreitung. Mit großem Interesse habe ich selbst Asterix und Obelix gelesen, hier hat der Druide Miraculix ja aus den Mispel den berühmten Zaubertrank gemixt. Die Legende berichtet das mit derartigen Mixturen unfruchtbare Tiere wieder fruchtbar werden und Vergiftungen heilbar seien.

Der Pilz Zunderschwamm lebt hier in großen Kolonien an Pappelbäumen, aus den gegerbten Pilzen wurden Fasern einst vor langer Zeit gewonnen und wärmende Decken hergestellt aber auch Schlappen und Hüte, die getrockneten Pilze wurden zerrieben und damit hatte man genug Zundermaterial um Feuer an zu zünden.

Unser Weg führt uns nun an das Ufer des Rheins, vor Zeiten als der Rhein noch nicht in das uns sehr bekannte Flussbett gepresst war, hat er viele male seinen Lauf verändert, sodass Haus Bürgel zu dem wir noch wandern werden um 1734 nicht mehr auf der Seite von Zons also links lag sondern sich rechtsrheinisch wiederfindet. An den vielen kleinen Steinen die wir am Ufer finden, läst sich exakt bestimmen um welche Gesteinsarten es sich handelt, so schwemmt der Rhein bis zu 3 Millionen Kubikmeter Feststoffe in den Bodensee. Es wird angenommen das sich so eine Art Delta im See bilden wird damit ist der Fluss auch heute noch in der Lage unser Landschaftsbild zu verändern. Sein einstiger Fischreichtum beginnt sich zu erholen und in einigen Nebenflüssen ist der Lachs wieder daheim.

Quer durch die Auenlandschaft geht es in Richtung Haus Bürgel, wegen Covid 19 ist leider nicht möglich das kleine römische Museum und den Nutzgarten mit den Nahrungspflanzen von der Römerzeit über das Mittelalter bis zur heutigen Zeit anzuschauen. Meine Empfehlung dazu ist das Büchlein Bunne-Stielmus-Schözeneere (ISBN 978-3874634670) mit tollen Kochrezepten, das wird dann gleichzeitig eine Erinnerung an diese Wanderung werden. Haus Bürgel zur Zeit der Römer ein steinernes Militärkastell mit 12 Türmen und 2 Toren und einer Fläche von 64x64 Metern, ein Vierkant-Hof der heute dazu genutzt wird Kaltblutpferde zu züchten.

Wir rasten zur Brotzeitpause und ein Killepitsch ist im Angebot, Nobbi erzählt wie es zu dem kuriosen Namen des 42% prozentigem Kräutergeist kam: In einem Luftschutzbunker im zweiten Weltkrieg führten Hans Müller Schlösser, der Schöpfer vom Schneider Wibbel, und Willi Busch den folgenden überliefertem Dialog: "Ech sach dech bloß ens Hans, koome meer he heil erus, dat se ons nit kille, dann brau ech dech ö Schabäuke, do kannste de Zong noh  lecke, dann dommer eene pitsche on dä kannste dann von mech us Killepitsch nenne". Im Jahr 1955 bei der Eröffnung der Kneipe ET KABÜFFKE war die Namengebung perfekt. Das KABÜFFKE ist noch existent, wo der Likör durch ein kleines Fenster an Passanten ausgeschenkt wird.

Bleibt zu erwähnen, dass hier einmal im Jahr ein großes Fest der Obsternte am Haus Bürgel gefeiert wird, Haus Bürgel ist Eigentum der NRW Stiftung in Nordrhein-Westfalen.

Mit guter Laune und Neugier geht es nach unserer Pause und der Querung des Urdenbacher Weg entlang eines abgeernteten Feldes, das mitten in der Überflutungs-Zone des Rheins liegt, nahe der Birgeler Wiesen wo in 3-4 Wochen die Herbstzeitlosen einen bunten Wiesenteppich bilden werden in Richtung Altrheinarm. An einem der Info Punkte erzählt Otto von einer fast unglaublichen Symbiose in der Natur, Der große Wiesenknopf verwöhnt den Ameisenbläuling einen Falter der erst diese blühenden großen Wiesenknöpfe finden und dazu noch die richtige Ameisenart aufspüren muss. In der Blütendolde legt der Falter seine Eier ab sind die Raupen endlich satt, lassen sie sich zu Boden fallen, sie sehen nicht nur aus wie die Larven der Ameisenart sondern riechen auch so und machen die gleichen Geräusche, die Ameisen adoptieren diesen scheinbar heimatlosen Winzling sofort und schleppen ihn in den Ameisenbau, da diese Winzlinge einen besonderen süßen Saft abgeben den die Ameisen gerne schlecken bleiben dies am Leben. Ein Fehler der teuer bezahlt werden muss, denn Findelkind ist ein Killer der bis zu 6000 tausend Ameisenlarven in 10 Monaten vertilgt, kaum ist er aus dem Kokon geschlüpft muss er raus aus dem Ameisenasyl sonst geht es ihm an den Kragen, draußen angekommen beginnt der Kreislauf von neuem.

Doch genug der Killergeschichten links geht es jetzt über einen Damm der einen Bach der von Hellerhof hier her fliest, rechts vom Damm eine interessante Wasserlandschaft bilden lässt. links der Altrheinarm in der Auenlandschaft. Gleich hier am Beginn eine Flachwasserzone in der die Rheinfische ihre Kinderstube haben. Wir entdecken den Kämpen Biber der mit Grünzeug im Wasser unterwegs ist, das wäre etwas gewesen der Biber in Düsseldorf, des Rätsels Lösung es sind Nutrias die auch Biberratte oder Sumpfbiber genannt werden, leben in Erdhöhlen und Pflanzenfresser. Eine besondere Begegnung ist ein junger Silberreiher ähnlich im grauen Jungvogelkleid wie der Nachtreiher, das erzählt der Hobby Fotofreund, der hier mit toller Tele- und Weitwinkel-Kamera auf Eisvogelpirsch ist, Schwäne und Blässhühner und natürlich Graureiher die hoch in den Bäumen nisten zeugen alle insgesamt für den Artenreichtum in der Urdenbacher Kämpe.

Unser Tag endet mit der Schlusseinkehr im Gasthaus zum Altrhein, wir sitzen noch gut zwei Stunden beisammen und sind dankbar einen solchen informativen Wandertag erlebt zu haben. Setzen wir uns gemeinsam ein für den Erhalt und Schutz unserer Wanderheimat und deren Vielfalt!

Danke liebe Wanderfreunde das ihr dabei gewesen seid,
Nobbi Dietrich

 

Wanderfreunde Bergisches Land e.V.
Bernd Meiser
Neuensaaler Str. 23c
51515 Kürten
02207 - 706897
Kontakt
Wanderfreunde Bergisches Land e.V. - Abteilung im Sauerländischen Gebirgsverein
Neuensaaler Str. 23c
51515 Kürten
Tel.: 02207 - 706897
Wanderberichte
Die Urdenbacher Kämpe

Die Urdenbacher Kämpe

Die Wanderfreunde Bergisches Land und aus Bottrop waren zusammen in der Urdenbacher Kämpe unterwegs ... weiterlesen
Wanderfreizeit im Hunsrück

Wanderfreizeit im Hunsrück

Wanderfreizeit 2020 in der Ferienregion Kastellaun im Herzen des Hunsrücks ... weiterlesen
Mit Wandern die Heimat in CORONA Zeiten neu erleben

Mit Wandern die Heimat in CORONA Zeiten neu erleben

Ein Erlebnisbericht über eine Einzelwanderung während der Kontaktsperre ... weiterlesen
Zum Eifelturm im Ruhrgebiet

Zum Eifelturm im Ruhrgebiet

Unser Besuch auf der Zeche Zollverein - ein UNESCO Welterbe ... weiterlesen
Ehrenamtstag 2019

Ehrenamtstag 2019

Unser diesjähriger Ehrenamtstag führte uns in die Römerstadt Xanten ... weiterlesen
Bitte warten. Ihre Anfrage wird bearbeitet